Staatliche Realschule Viechtach

Fit fürs Leben

„Geh gerade, sonst gehst du ins Gas“

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Am 18.10. verfolgten rund 570 Zuhörer, vor allem Jugendliche, den Vortrag des Zeitzeugen Erich Finsches gebannt. Als Sohn einer jüdischen Familie wird Erich Richard Finsches am 11. November 1927 in Wien geboren. 1938 kommt sein Vater plötzlich nicht mehr nach Hause und der 11-jährige Junge macht sich auf die Suche nach ihm. Er wird, wie sein Vater, von der Gestapo verhaftet, schwerst misshandelt und in das Arbeitslager Eisenerz verschleppt. Ihm gelingt die Flucht. Vier Monate überlebt der Junge alleine im Wald und findet den Weg zurück nach Wien, wo er zwei Jahre im Untergrund lebt. 1942 wird er erneut bei einer Razzia aufgegriffen und zur Zwangsarbeit in Wien verpflichtet. Als bekannt wird, dass viele Juden nach Polen abtransportiert werden, gelingt ihm die Flucht nach Ungarn, wo er weitere zwei Jahre untertauchen kann. Aber die Lage der Juden in Ungarn wird zunehmend gefährlicher. Im März 1944 wird er angeschossen, erneut festgenommen und ins Konzentrationslager Ausschwitz deportiert. Dort erlebt er die Schrecken des NS-Vernichtungslagers. Einige Monate später kommt er in das Dachauer Außenlager Mühldorf zur Zwangsarbeit in einer Bunkeranlage für ein gigantisches NS-Rüstungsprojekt. Kurz vor Kriegsende bringt man ihn in das Lager Kaufering, wo er im April 1945 von amerikanischen Truppen befreit wird. Bei seiner Befreiung wog der 17-jährige samt seiner Gefangenenkluft noch 29 Kilogramm und überlebte nur knapp.
Heute lebt Erich Finsches in Wien. Er ist seit vielen Jahren als Zeitzeuge aktiv und erzählt jungen Menschen von seinen Erfahrungen mit dem menschenverachtenden NS-Regime. "Man kann solche Erlebnisse niemals vergessen, die Demütigungen, Erniedrigungen, das Leid und die Unmenschlichkeit zeichnet alle Überlebenden. Ich erzähle jungen Menschen davon, damit solche Grausamkeiten nie mehr vorkommen", so Erich Finsches.

(J. Haidn)

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